„Flugversuch“ in Weißensee


Von der Pankower BVV beschlossen, sollte das ehemalige Kulturhaus „Peter Edel“ schnell vom schauspielHAUS „Die Möwe“ weiter betrieben werden. Doch die Verhandlungen ziehen sich nun schon seit anderthalb Jahren hin.

(Mai 2009) Das schauspielHaus „Die Möwe“ bekundete während einer Gesprächsrunde im Mai ihr ungebrochenes Interesse am Kulturhaus „Peter Edel“ in Weißensee. Zudem sind die Vertreter seitens der Schauspielschule weiterhin am Fortgang der Vertragsverhandlung mit dem Bezirksamt (BA) bereit.


Fotos: Tilman Bemm

Im Dezember 2007 hat der Pankower Ausschuss für Kultur und Bildung entschieden, dass das Kulturhaus „Peter Edel“  an das schauspielHaus „Die Möwe“ übergeben werden soll. Mit einem Auftrag der BVV versehen, sollte das Bezirksamt einen Erbbaurechtsvertrag zwischen dem Bezirk und den Interessenten aushandeln. Nach damaligen Aussagen der Verantwortlichen im Kulturamt streben man den Sommer 2008 für die Übergabe des Hauses an.

Fast anderthalb Jahre später lud nun die Schauspielschule zu einem Runden Tisch ins Kulturhaus „Peter Edel“. Neben Vertretern der Schauspielschule waren Mitarbeiter der Gesellschaft für Stadtentwicklung GmbH (GSE) und der Stiftung SPI Berlin, die die Verhandlungen für die „Die Möwe“ mit dem BA führen, anwesend. Als Gäste fanden sich Bezirksverordnete von den BündnisGrünen, der SPD, der CDU und von den Linken sowie Vertreter der Gruppen, die weiter an einer kulturellen (Mit-)Nutzung des Gebäudes interessiert sind, ein. Der Kulturstadtrat von Pankow, Dr. Michael Nelken, und die für Immobilien zuständige Stadträtin Christina Keil (beide Linkspartei) ließen sich wegen anderer Termine entschuldigen.

Die Vertreter der Schauspielschule luden zu der Gesprächsrunde, um über die Entwicklungen im und um das Kulturhaus Weißensee zu informieren und ihrem Wunsch, „bald loslegen zu können“, Nachdruck zu verleihen. „Die Öffentlichkeit erwartet zu Recht, dass sie umfassend über den Stand der Dinge und die nächsten Schritte informiert wird. Wir wollen ein erstes Podium bieten, um mit Bezirksverordneten, ortsansässigen Kulturträgern und Künstlern, interessierten Anwohnern und Unternehmen über die geplanten Projekte für das schauspielHAUS ins Gespräch zu kommen“, heißt in der Einladung zum Runden Tisch.

Nach Angaben von Ekkehardt Emig, Leiter der Schule, konnten mittlerweile 1,5 Mill. EUR für die Technik eingeworben werden. Allein die Verhandlungen mit dem Bezirksamt, die seit einiger Zeit ins Stocken geraten sind, hielten die Schule davon ab bereits mit dem Ausbau des Objekts zu beginnen. Die Schauspielschule sowie die Verhandlungspartner der GSE /SPI zeigten sich überzeugt, dass die strittigen Punkte gelöst werden können, wenn das Bezirksamt an den Verhandlungstisch zurück kehren würde.

Das schauspielHAUS „Die Möwe“ hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1992 zu einer führenden privaten Ausbildungsstätte für SchauspielerInnen entwickelt. Seine bisherige Heimat in der Boxhagener Straße im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist mit circa 70 Studentinnen an die Grenzen seiner Kapazitäten angekommen. Seit nun mehr 5 Jahren sucht die Schule einen neuen Wirkungsort, den sie im ehemaligen Kulturhaus „Peter Edel“ in Weißensee fand. Wie die Verantwortlichen am Freitag nochmals bestätigten, ist die Ausbildungsstätte sehr an einer Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Kulturträgern interessiert, vor allem an den Gruppierungen, die bis heute im Kulturhaus „Peter Edel“ ihre Spielstätte hatten, beispielsweise wie die Kindertanzgruppe „No Limit“.

Die BVV hat während ihrer letzten Tagung nochmals ihren Wunsch bekräftigt, das Kulturhaus „Peter Edel“ als kulturellen Standort zu sichern. Sollten die Verhandlungen scheitern, wäre dieses Ziel gefährdet, denn die Alternative zum Erbbaurechtsvertrag mit der Schauspielschule hieße nach aller Wahrscheinlichkeit: Verkauf an den Meistbietenden über den Berliner Liegenschaftsfonds.

Tilman Bemm
Bürgerdeputierter im Ausschuss für Kultur und Bildung

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